
Therapie
Traumatherapie
Manche Erfahrungen sind vorbei und doch nicht vergangen. Der Kopf weiß, dass es lange her ist. Der Körper reagiert, als wäre es gerade eben. Traumatherapie heißt für mich, diesem Abstand zwischen Wissen und Fühlen behutsam nachzugehen: in deinem Tempo, mit dem, was du mitbringst, und ohne dass du etwas erzählen musst, was du nicht erzählen willst.
Was Trauma mit uns macht
Ein Trauma ist weniger das Ereignis selbst als das, was es in uns hinterlässt: eine Überforderung, aus der es in dem Moment keinen Ausweg gab. Das Nervensystem hat damals das getan, was ihm möglich war: kämpfen, fliehen, erstarren, sich innerlich wegbeamen. Diese Reaktionen haben dich geschützt.
Schwierig wird es, wenn sie bleiben, obwohl die Gefahr vorbei ist. Dann fühlt sich die Gegenwart immer wieder an wie die Vergangenheit: Der Körper spannt sich an, bevor du weißt, warum. Nähe kann sich bedrohlich anfühlen, obwohl du sie dir wünschst. Du funktionierst, aber dir fällt es schwer dich zu spüren. Oft lässt sich das alles vom Verstand her einordnen, und trotzdem ändert das Verstehen allein wenig. Genau da setzt Traumatherapie an.
Für wen ist Traumatherapie?
Traumafolgen tragen selten ein Etikett. Sie zeigen sich als Alltag, der sich manchmal anstrengender anfühlt, als er sollte. Hinweise können sein:
- Anspannung, Schreckhaftigkeit oder eine innere Alarmbereitschaft, die sich nicht abschalten lässt
- Schlaf, der nicht erholt, oder Träume, die nachhängen
- Momente, in denen du dich wie hinter Glas fühlst: taub, weit weg, nicht ganz da
- Erschöpfung ohne erkennbaren Grund
- Schwierigkeiten mit Nähe: zu viel, zu wenig, oder beides zugleich
- Muster, die sich wiederholen, obwohl du sie längst durchschaut hast
- Reaktionen, die dir selbst zu groß oder zu klein vorkommen
Das sind keine Diagnosen, sondern Spuren. Du musst nicht wissen, ob das, was du erlebt hast, „ein Trauma“ war, um zu kommen. Es reicht, dass es dich heute noch beschäftigt.
Wie wir arbeiten.
Traumatherapie folgt bei mir keinem festen Programm, aber einem verlässlichen Bogen. In der Traumatherapie wird er als phasenorientiertes Vorgehen beschrieben:
- Ankommen und Kennenlernen. Am Anfang stehen ein Gespräch und die Frage, was dich zu mir führt und was du dir wünschst. Wir schauen gemeinsam, ob die Zusammenarbeit für dich stimmig ist.
- Stabilisieren und regulieren. Bevor wir uns dem zuwenden, was schwer war, kümmern wir uns um das, was dich hält. Wir entdecken, was dir guttut und was dich beruhigt, und wo du in dir und um dich herum Halt findest. So entsteht nach und nach ein sicherer Boden, auf dem du stehen kannst. Wie lange das dauert, ist ganz unterschiedlich, und jede Zeit ist hier richtig.
- Verarbeiten. Erst wenn genug Stabilität da ist, nähern wir uns dem, was noch im System steckt, in kleinen, tragbaren Schritten und nur so weit, wie es sich für dich richtig anfühlt.
- Integrieren. Das Erlebte wird ein Teil deiner Geschichte, statt sie zu bestimmen.
Diese Schritte laufen nicht streng nacheinander ab, und Stabilität hat jederzeit Vorrang.

Methoden in der Therapie.
Je nachdem, was du mitbringst, greife ich auf verschiedene Zugänge zurück. Sie ergänzen sich und gehen in der Praxis oft ineinander über. Prinzipiell ist es in meiner Arbeit deine Ressourcen einzusetzen, denn du verfügst schon mehr als dir bewusst ist.
Ego-State-Arbeit
Wir alle tragen verschiedene innere Anteile in uns: den Teil, der funktioniert; den, der sich zurückzieht; den, der schon lange auf Sicherheit wartet. Nach überwältigenden Erfahrungen stellen sich diese Anteile manchmal gegeneinander, oder einzelne bleiben in der damaligen Zeit stecken. In der Ego-State-Arbeit lernen wir sie kennen, hören, was sie brauchen, und helfen ihnen, wieder miteinander in Kontakt zu kommen. Innere Anteile hat jeder Mensch. Das ist kein Zeichen einer Störung, sondern normales Erleben, und ein sehr respektvoller Weg, mit dem zu arbeiten, was in dir schon da ist.
Körperorientiertes Arbeiten
Trauma sitzt nicht nur in Gedanken, sondern in Haltung, Atem und Spannung. Deshalb arbeite ich immer auch mit dem Körper: mit Wahrnehmung, mit Regulation, und wenn es passt mit den Mitteln der Körpertherapie nach dem Pantarei-Ansatz. Mehr dazu auf der Seite Körpertherapie. Berührung findet nur statt, wenn du das möchtest; ein Nein ist immer willkommen.
Häufige Fragen
Muss ich alles erzählen, was passiert ist?
Nein. Vieles lässt sich bearbeiten, ohne dass du es in Worte fassen musst. Der Körper und die inneren Anteile wissen oft mehr, als sich erzählen lässt. Du entscheidest, was du zeigen möchtest und was nicht.
Was ist Dissoziation?
Dissoziation ist eine Schutzreaktion: Wenn etwas zu viel wird, schaltet das System einen Teil des Erlebens ab. Das kann sich anfühlen wie Wattigkeit, wie neben sich stehen, wie Zeit, die fehlt. Damals war das klug. Heute kann es im Weg stehen, und es lässt sich lernen, wieder anwesend zu sein, in kleinen, sicheren Schritten.
Warum reicht es nicht, das alles zu verstehen?
Weil Trauma nicht im Verstand gespeichert ist, sondern im Nervensystem. Du kannst genau wissen, dass die Gefahr vorbei ist, und der Körper reagiert trotzdem. Deshalb arbeiten wir mit dem, was der Körper und die inneren Anteile heute noch tragen.
Ist es nicht schon zu lange her?
Nein. Für das Nervensystem spielt es keine Rolle, ob etwas vor zwei oder vor dreißig Jahren geschehen ist. Es reagiert auf das, was noch nicht zu Ende gekommen ist. Viele kommen mit Erfahrungen aus der Kindheit, an die sie sich nur bruchstückhaft erinnern.
Wie lange dauert das?
Das lässt sich vorher nicht seriös sagen; es hängt davon ab, was du mitbringst und wie viel Stabilität schon da ist. Wir sprechen regelmäßig darüber, wo wir stehen, und du kannst jederzeit entscheiden, weiterzugehen oder zu pausieren.
Was, wenn ich nicht weiß, ob es ein Trauma war?
Das musst du nicht wissen. Es reicht, dass dich etwas heute noch beschäftigt oder dein Alltag sich schwerer anfühlt, als er sollte. Im Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich dich begleiten kann.
Wie du beginnen kannst.
Im Erstgespräch schauen wir in Ruhe, ob es für dich passt.
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